Aktualisiert: 24. Oktober 2026
Den Kilometerstand prüfst du in Deutschland am besten, indem du mehrere unabhängige Belege vergleichst: die Kilometerstände in alten HU-Berichten, die KBA-Selbstauskunft des Halters, Serviceheft und Rechnungen sowie die in den Steuergeräten gespeicherten Werte, die eine Werkstatt auslesen kann. Eine öffentliche Kilometer-Datenbank, in der du per FIN oder Kennzeichen kostenlos nachschauen kannst, gibt es hierzulande nicht. Je mehr Belege lückenlos zusammenpassen, desto sicherer ist der Tachostand.
Gibt es eine Kilometer-Datenbank in Deutschland?
Nicht für Käufer. Seit dem 20. Mai 2018 werden zwar die bei der Hauptuntersuchung festgestellten Kilometerstände an das Zentrale Fahrzeugregister beim Kraftfahrt-Bundesamt übermittelt und dort gespeichert. Abrufen kann sie aber nur der Halter für sein eigenes Auto. Werkstätten und Versicherungen müssen keine Kilometerstände an eine zentrale Stelle melden, das hat der Petitionsausschuss des Bundestags 2024 ausdrücklich festgestellt.
Der ADAC sieht private Kilometer-Datenbanken ohnehin skeptisch, weil die eingetragenen Werte vorher technisch nicht auf Richtigkeit geprüft werden können. Eine einzelne Zahl aus einer Datenbank ist also nie ein Beweis, sondern ein Baustein.
Anders ist es in einigen Nachbarländern. In den Niederlanden bewertet die Behörde RDW anhand des Kennzeichens kostenlos, ob die gespeicherten Kilometerstände logisch aufsteigen. Wenn du ein Auto aus den Niederlanden kaufst, lohnt sich dieser Check immer.
Kilometerstand prüfen kostenlos: fünf Schritte
1. HU-Berichte: Kilometerstand prüfen per TÜV-Bericht
Bei jeder Hauptuntersuchung, egal ob bei TÜV, DEKRA, GTÜ oder KÜS, wird der Kilometerstand im Prüfbericht festgehalten. Der Prüfer vergleicht ihn nach der HU-Richtlinie auch mit dem Stand der letzten Untersuchung. Bei Pkw ist die HU in der Regel alle zwei Jahre fällig, bei Neuwagen erstmals nach drei Jahren.
So nutzt du die Berichte:
- Lass dir alle HU-Berichte zeigen, nicht nur den letzten.
- Schreib Datum und Kilometerstand jeder HU auf.
- Prüfe, ob die Werte stetig steigen und die Fahrleistung pro Jahr halbwegs gleichmäßig ist.
- Vergleiche den letzten HU-Stand mit dem aktuellen Tachostand. Liegt der Tacho heute niedriger, ist die Sache erledigt.
Fehlende Berichte sind kein Beweis für Betrug, aber ein Grund nachzuhaken. Der ADAC nennt fehlende HU-Berichte, Rechnungen und Serviceheft als mögliches Zeichen für verschleierte Mängel.
2. KBA-Selbstauskunft vom Halter
Der Halter kann über die kostenlose Online-Registerauskunft des KBA die gespeicherten Daten zu seinen Fahrzeugen abrufen, inklusive der HU-Kilometerstände seit 2018. Nötig sind ein Ausweis mit aktivierter Online-Ausweisfunktion, die PIN und die AusweisApp. Alternativ kann er die Auskunft schriftlich beantragen.
Bitte den Verkäufer, dir das PDF vor dem Kauf zu zeigen. Der Petitionsausschuss des Bundestags hat genau diesen Weg als Lösung für Käufer beschrieben. Lehnt der Verkäufer ab, obwohl er Halter ist, solltest du vorsichtig werden.
3. Serviceheft, Rechnungen und Ölwechselzettel
Ordne alle Belege nach Datum. Inspektionen, Reparaturrechnungen, Reifenwechsel und sogar Tankbelege mit Kilometerangabe ergeben zusammen eine Linie, die zum Tacho passen muss.
Der ADAC nennt ein typisches Beispiel: Ein Ölwechsel ist spätestens nach 40.000 Kilometern fällig. Steht im Heft ein Ölwechsel bei 100.000 Kilometern und der nächste Hinweis auf 180.000 Kilometern, stimmt etwas nicht.
Hat das Auto ein digitales Serviceheft, lass dir beim Markenhändler einen vollständigen Ausdruck geben. Einträge dort können nachträglich nicht von beliebigen Werkstätten verändert werden. Mehr dazu im Ratgeber Fahrzeughistorie prüfen.
4. Vorbesitzer fragen
Im Fahrzeugbrief steht der letzte Vorhalter. Der ADAC rät, Kontakt mit dem Vorbesitzer aufzunehmen und zu fragen, mit welchem Kilometerstand er das Auto verkauft hat. Oft hat er noch den alten Kaufvertrag.
5. Verschleiß und Bauteildaten
Lenkrad, Schaltknauf, Pedalgummis, Fahrersitzwange und die Türgriffe müssen zum Kilometerstand passen. Ein glänzend abgegriffenes Lenkrad bei angeblich 60.000 Kilometern passt nicht. Umgekehrt kann ein auffällig neues Lenkrad in einem älteren Auto bewusst getauscht worden sein.
Ein weiterer Hinweis ist das Herstellungsdatum der Teile. Ist das Kombiinstrument laut Aufdruck deutlich jünger als die übrigen Bauteile, wurde es vermutlich ersetzt. Das kann einen harmlosen Grund haben, muss aber belegt sein.
Fahrleistung durchrechnen: ein Beispiel
Wenn du alle Belege gesammelt hast, rechne die Fahrleistung zwischen den Datenpunkten aus. Das dauert fünf Minuten und deckt viele Ungereimtheiten auf.
Angenommen, ein Auto mit Erstzulassung im März 2018 wird im Oktober 2026 mit 98.000 Kilometern angeboten. Die Belege sagen:
- HU im März 2021: 61.000 km
- Inspektion im Mai 2022: 79.000 km
- HU im März 2023: 92.000 km
- HU im März 2025: 96.000 km
- Tacho heute: 98.000 km
Bis 2023 fuhr das Auto rund 18.000 Kilometer im Jahr, danach plötzlich nur noch 2.000. Das kann eine harmlose Erklärung haben, etwa Rente, Homeoffice oder ein Zweitwagen. Es ist aber genau das Muster, das bei einer Manipulation entsteht, wenn zwischen 2023 und 2025 zurückgedreht und danach wenig gefahren wurde. Frag gezielt nach, und lass dir die Erklärung belegen.
Achte außerdem darauf, ob die Fahrleistung zur Nutzung passt. Ein Diesel-Kombi aus einem Firmenfuhrpark mit angeblich 8.000 Kilometern im Jahr ist ungewöhnlich, ein Kleinwagen aus der Stadt mit dieser Laufleistung nicht.
Kilometerstand prüfen per VIN kostenlos?
Mit der FIN allein bekommst du in Deutschland keinen Kilometerstand kostenlos. Ein FIN-Decoder liest nur die Daten aus, die in der Nummer stecken, also Hersteller, Modell, Motor und Modelljahr. Was eine kostenlose FIN-Abfrage leisten kann, erklärt der Ratgeber FIN-Abfrage kostenlos.
Für Autos mit Auslandsvergangenheit kann ein kostenpflichtiger Bericht sinnvoll sein. carVertical sammelt Kilometerstände aus Registern, Prüfstellen und Inseraten mehrerer Länder und zeigt Fotos aus früheren Inseraten, auf denen oft der Tacho zu sehen ist. Mit dem Code KALODE kostet ein Bericht 31,19 Euro statt 38,99 Euro (Details zum Code). Sei dir aber bewusst: Bei Autos, die nur in Deutschland gelaufen sind, sind die Kilometerdaten in jedem Bericht lückenhaft, eben weil es keine öffentliche Quelle gibt.
Kilometerstand prüfen lassen: Werkstatt und Sachverständiger
Der Tacho ist nicht der einzige Ort, an dem ein Auto seine Kilometer speichert. Steuergeräte für Motor, Getriebe oder ABS legen bei vielen Modellen eigene Werte ab, und bei Fehlerspeichereinträgen wird oft der Kilometerstand mitgespeichert, bei dem der Fehler auftrat.
Eine Markenwerkstatt oder ein Sachverständiger mit Herstellersoftware kann diese Werte auslesen. Laut ADAC dürfen die gespeicherten Kilometerstände nicht höher sein als der im Kombiinstrument angezeigte Gesamtstand. Ist ein Fehler bei 190.000 Kilometern gespeichert und der Tacho zeigt 140.000, hast du einen klaren Hinweis.
Erwarte aber keine Wunder. Der ADAC weist darauf hin, dass die meisten Werkstätten und Sachverständigen eine professionell durchgeführte Manipulation nicht aufdecken können, weil dabei teils mehrere Steuergeräte gleichzeitig verändert werden. Eine unauffällige Auslesung ist deshalb kein Freispruch.
Wenn du eine umfassende Prüfung möchtest, bieten ADAC-Prüfzentren, TÜV, DEKRA und freie Sachverständige Gebrauchtwagenuntersuchungen an, die meist auch das Auslesen des Fehlerspeichers umfassen. Frag vorher konkret, welche Steuergeräte ausgelesen werden.
Kilometerstand prüfen mit Gerät oder App
Ein günstiger OBD2-Adapter mit Smartphone-App liest den Fehlerspeicher des Motorsteuergeräts aus. Was die Codes bedeuten, kannst du in unserer Übersicht der OBD2-Fehlercodes nachschlagen. Für die Kilometerprüfung hat so ein Gerät klare Grenzen:
- Viele Apps zeigen nur Motorfehler, nicht die Daten anderer Steuergeräte.
- Ob zu einem Fehler der Kilometerstand mitgeliefert wird, hängt von Marke und App ab.
- Gelöschte Fehlerspeicher sagen nichts aus.
Ein OBD2-Adapter ist also ein nützlicher Zusatz bei der Besichtigung, ersetzt aber nicht die Auslesung mit Herstellersoftware. Wie du ein Auto selbst ausliest, steht im Ratgeber OBD2-Diagnose.
Was im Kaufvertrag stehen sollte
Schreib nicht nur „Kilometerstand laut Tacho“ in den Vertrag. Der ADAC rät, die tatsächliche Gesamtlaufleistung schriftlich festzuhalten. Stimmt sie nicht, fehlt eine vereinbarte Eigenschaft, und du hast deutlich bessere Karten, als wenn nur der abgelesene Tachostand vermerkt ist.
Wenn du nach dem Kauf feststellst, dass der Tacho manipuliert wurde, helfen dir die Schritte im Ratgeber Tachomanipulation erkennen. Dort erklären wir auch die Strafbarkeit nach § 22b StVG und den Rücktritt vom Kaufvertrag.
Fotografiere bei der Besichtigung den Tacho mit Datum und speichere das Inserat als Screenshot. Wenn später Zweifel aufkommen, ist das oft der einfachste Beweis dafür, was dir zugesagt wurde.
Häufige Fragen
Wird der Kilometerstand bei der HU geprüft?+
Ja, der Prüfer liest den Kilometerstand ab, trägt ihn in den Prüfbericht ein und vergleicht ihn auf Plausibilität mit dem Stand der letzten Hauptuntersuchung. Seit dem 20. Mai 2018 werden die HU-Kilometerstände außerdem im Zentralen Fahrzeugregister beim KBA gespeichert.
Kann ich den Kilometerstand mit dem Kennzeichen prüfen?+
In Deutschland nicht. In den Niederlanden schon: Die Behörde RDW bewertet anhand des niederländischen Kennzeichens kostenlos, ob die gespeicherten Kilometerstände logisch aufsteigen. Für Autos aus den Niederlanden ist das ein guter erster Check.
Was ist der Unterschied zwischen Kilometerstand und Gesamtlaufleistung?+
Der Kilometerstand ist das, was der Tacho anzeigt. Die Gesamtlaufleistung ist die Strecke, die das Auto tatsächlich gefahren ist. Nach einem Tachotausch können beide auseinanderfallen, deshalb sollte im Kaufvertrag die Gesamtlaufleistung stehen.
Ist ein Tachotausch erlaubt?+
Ja, ein defektes Kombiinstrument darf ersetzt werden. Verboten ist es nach § 22b StVG, das Messergebnis des Wegstreckenzählers zu verfälschen. Ein ehrlicher Verkäufer kann einen Tausch mit einer Werkstattrechnung belegen, auf der der alte Kilometerstand steht.
Wie viele Kilometer fährt ein Auto im Jahr durchschnittlich?+
Das hängt stark von Antrieb und Nutzung ab. Ein Dieselauto eines Pendlers kommt auf deutlich mehr Kilometer als ein Stadtauto. Wichtiger als ein Durchschnittswert ist, ob die Fahrleistung zwischen den Belegen gleichmäßig ist und zum Zustand passt.
Quellen
- Deutscher Bundestag, Petitionsausschuss – Pet 1-20-12-920-007931 (Kilometerstand im ZFZR)
- TÜV NORD – Tachobetrug erkennen
- ADAC – Tachostand prüfen: Tachomanipulation bei Gebrauchtwagen erkennen
- ADAC – Das Alter des Autos prüfen
- KBA – Auskunft aus dem Zentralen Fahrzeugregister
- RDW – Kilometerstand controleren
- § 22b StVG – Missbrauch von Wegstreckenzählern
- StVZO Anlage VIII – Untersuchung der Fahrzeuge (HU-Fristen)