Aktualisiert: 24. Oktober 2026
Eine kostenlose FIN-Abfrage verrät dir Hersteller, Herstellerland, Modell, Motor- und Karosserievariante und meist das Modelljahr, denn diese Angaben sind in der 17-stelligen Fahrgestellnummer selbst codiert. Seit Juli 2026 kannst du beim Kraftfahrt-Bundesamt außerdem für viele Autos ab Erstzulassung Oktober 2019 die technischen Daten aus der Übereinstimmungsbescheinigung (eCoC) per FIN abrufen. Kilometerstände, Unfälle, Vorbesitzer oder einen Diebstahl zeigt dir dagegen kein kostenloser Decoder, denn diese Informationen stehen nicht in der Nummer, sondern in Registern und Datenbanken.
Was die FIN ist und wo du sie findest
Die Fahrzeug-Identifizierungsnummer (FIN, international VIN) ist die eindeutige Kennung eines Autos. Sie bleibt ein Fahrzeugleben lang gleich, egal wie oft das Kennzeichen oder der Halter wechselt. Nach § 59 StVZO muss sie 17 Stellen haben, wenn sie nach der Norm ISO 3779 aufgebaut ist, und am Rahmen oder einem gleichwertigen Teil eingeschlagen oder eingeprägt sein.
Du findest die FIN an mehreren Stellen:
- im Fahrzeugschein (Zulassungsbescheinigung Teil I) im Feld E,
- im Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung Teil II),
- am Auto selbst, meist mehrfach: eingeschlagen in die Karosserie, je nach Modell im Motorraum, im Kofferraum oder unter einer Abdeckung im Innenraum, dazu oft hinter der Windschutzscheibe und auf dem Typschild an der B-Säule.
Wie du die Nummer bei deinem Modell genau findest, erklären wir im Ratgeber Fahrgestellnummer finden.
Vergleiche bei jeder Besichtigung die FIN in beiden Papieren mit der Nummer am Auto, und zwar an mindestens zwei Stellen. Schweißspuren, frischer Lack oder ein lose wirkendes Typschild rund um die Nummer sind ein Grund, die Besichtigung abzubrechen.
Fahrgestellnummer entschlüsseln: der Aufbau
Jede 17-stellige FIN besteht aus drei Blöcken. Die Buchstaben I, O und Q kommen nicht vor, damit sie nicht mit 1 und 0 verwechselt werden.
Stellen 1 bis 3: Herstellercode (WMI)
Der World Manufacturer Identifier zeigt, wer das Auto gebaut hat und aus welcher Region es stammt. Das erste Zeichen steht für die Region, W zum Beispiel für Deutschland. WVW steht für Volkswagen-Pkw, WDB oder WDD für Mercedes-Benz, WBA für BMW, TMB für Škoda.
Stellen 4 bis 9: Fahrzeugbeschreibung (VDS)
Dieser Block beschreibt laut ADAC Modell, Baureihe, Motor- und Fahrzeugtyp. Wie die Zeichen genau belegt sind, legt jeder Hersteller selbst fest. Bei Fahrzeugen für den nordamerikanischen Markt ist Stelle 9 eine Prüfziffer, mit der sich Tippfehler erkennen lassen.
Stellen 10 bis 17: Fahrzeugkennung (VIS)
Die letzten acht Stellen sind herstellerspezifisch. Üblicherweise steht an Stelle 10 das Modelljahr, an Stelle 11 das Werk und danach die laufende Seriennummer. In Europa sind Modelljahr und Werkscode nicht vorgeschrieben, die meisten Hersteller nutzen das Schema aber trotzdem.
Wichtig: Das Modelljahr ist nicht das Baujahr. Je nach Hersteller beginnt ein Modelljahr bereits im Mai oder erst im August des Vorjahres. Ein Auto mit Modelljahr 2021 kann also 2020 gebaut worden sein.
Was eine kostenlose FIN-Abfrage leisten kann
VIN-Decoder im Internet
Kostenlose VIN-Decoder lesen die FIN aus und zeigen dir Hersteller, Land, Modell, Motorisierung und Modelljahr. Das reicht, um zu prüfen, ob die Angaben im Inserat überhaupt zum Auto passen. Wird ein Golf als GTI angeboten, laut FIN aber mit kleinerem Motor gebaut, weißt du Bescheid.
Für Autos aus den USA gibt es einen offiziellen Weg: Die US-Behörde NHTSA betreibt einen öffentlichen VIN-Decoder, der die Herstellerangaben für Fahrzeuge ab Modelljahr 1981 entschlüsselt. Das ist bei US-Importen nützlich, um Ausstattungslinie und Werk zu prüfen.
eCoC-Abruf beim Kraftfahrt-Bundesamt
Seit dem 14. Juli 2026 bietet das KBA einen Online-Dienst an, mit dem du die elektronische Übereinstimmungsbescheinigung (eCoC) per FIN abrufen kannst. Er umfasst laut KBA zunächst vor allem Pkw und leichte Nutzfahrzeuge, die ab Oktober 2019 in Deutschland in Verkehr gebracht wurden. Du bekommst Basisdaten direkt angezeigt und kannst den vollständigen Datensatz als XML-Datei herunterladen. Darin stehen die technischen Werte, mit denen das Auto genehmigt wurde, etwa Leistung, Kraftstoffart, Gewichte und Abmessungen. Eine lesbarere Online-Ansicht mit deutschen Feldbezeichnungen hat das KBA für eine spätere Ausbaustufe angekündigt.
Rückrufe prüfen
Ob für dein Auto ein offener Rückruf besteht, klärst du am zuverlässigsten mit der FIN beim Hersteller, viele Marken bieten dafür eine Abfrage auf ihrer Website an. Die Rückrufdatenbank des KBA durchsuchst du nach Hersteller und Modell. Sie enthält nach Angaben des KBA nicht alle Maßnahmen der Hersteller und sagt dir nur, ob ein Fahrzeugtyp betroffen sein kann. Mehr dazu im Ratgeber Rückruf per FIN prüfen.
VIN-Abfrage zur Ausstattung kostenlos
Die Serienausstattung ergibt sich grob aus Modell und Motor, die du per Decoder erfährst. Die konkrete Sonderausstattung steckt aber nicht in den 17 Zeichen, sondern in den Produktionsdaten des Herstellers. Deshalb liefern freie Decoder dazu oft nur lückenhafte oder gar keine Angaben.
VW, Škoda und andere Konzernmarken
Bei Fahrzeugen des VW-Konzerns gibt es einen praktischen Weg ohne Internet: den Fahrzeugdatenträger. Das ist ein Aufkleber mit dreistelligen PR-Nummern, die jede Ausstattungsposition codieren. Er klebt meist im Serviceheft oder im Kofferraum, oft in der Reserveradmulde. Wer die PR-Nummern hat, kann sie über Listen im Internet oder beim Händler entschlüsseln lassen.
Mercedes, BMW und andere Marken
Bei den meisten Marken kann ein Vertragshändler die ab Werk verbaute Ausstattung anhand der FIN im Herstellersystem nachschlagen. Ob er das kostenlos macht, entscheidet der Betrieb. Frag am besten beim Händler, bei dem du ohnehin nach dem digitalen Serviceheft fragst. Für eine erste Einschätzung genügt oft auch ein kostenloser Decoder, die Angaben solltest du dann aber mit dem Auto vergleichen.
Was du mit der FIN nicht kostenlos erfährst
Hier liegt das Missverständnis, auf das viele Seiten mit „FIN-Abfrage gratis“ setzen. Folgende Informationen stehen nicht in der Nummer und lassen sich nicht kostenlos per FIN abfragen:
- Kilometerstände: In Deutschland gibt es keine öffentliche Kilometer-Datenbank. Wie du den Tachostand trotzdem prüfst, steht im Ratgeber Kilometerstand prüfen.
- Unfallschäden: Eine öffentliche Unfalldatenbank, in der Käufer per FIN Schäden abfragen können, gibt es nicht.
- Halter und Vorbesitzer: Die Anzahl der Vorhalter steht im Fahrzeugbrief. Namen gibt das KBA nur auf Antrag nach § 39 StVG heraus, wenn du einen Rechtsanspruch im Zusammenhang mit dem Straßenverkehr darlegst. Diese Auskunft kostet laut KBA 5,10 Euro je Fahrzeug und läuft per Post.
- Diebstahl: Bei Verdacht ist die Polizei die richtige Adresse.
Viele „kostenlose“ Angebote zeigen dir deshalb nur, wie viele Datensätze angeblich gefunden wurden, und verlangen für den Inhalt Geld. Das ist legitim, solange es klar gesagt wird.
Wann sich ein kostenpflichtiger Bericht lohnt
Ein Bericht lohnt sich, wenn der kostenlose Abgleich keine Antwort gibt: bei Importautos, bei lückenhaftem Serviceheft oder wenn der Kaufpreis hoch genug ist, dass sich ein paar Euro Vorabprüfung rechnen. carVertical sammelt nach eigenen Angaben Daten aus über 1.000 Quellen in mehr als 45 Ländern, darunter Kilometerstände, Schadenseinträge, Fotos aus früheren Inseraten sowie technische Daten und Ausstattung. Das ist vor allem bei Autos stark, die früher im Ausland gelaufen sind.
Ehrlich gesagt: Kein Bericht findet alles. Bei Autos, die nur in Deutschland gelaufen sind, sind Kilometerstände oft lückenhaft, weil es hier keine öffentliche Datenbank gibt. Ein Bericht ersetzt deshalb weder die Besichtigung noch die Prüfung von Serviceheft und HU-Berichten.
Ein carVertical-Bericht kostet regulär 38,99 Euro, mit dem Code KALODE 31,19 Euro. Wenn du mehrere Autos vergleichst, sind Pakete günstiger. Wie der Code funktioniert, steht auf der Seite carVertical-Rabattcode.
Checkliste: FIN prüfen in fünf Minuten
- FIN aus Fahrzeugschein (Feld E) und Fahrzeugbrief abschreiben.
- Am Auto mindestens zwei Stellen vergleichen, etwa Windschutzscheibe und eingeschlagene Nummer in der Karosserie.
- FIN in einen kostenlosen Decoder eingeben und Hersteller, Modell, Motor und Modelljahr mit dem Inserat vergleichen.
- Bei Autos ab Erstzulassung Oktober 2019 den eCoC-Abruf beim KBA nutzen und Leistung sowie Kraftstoffart abgleichen.
- Offene Rückrufe beim Hersteller per FIN abfragen.
- Bei Widersprüchen nachfragen, bei manipuliert wirkender FIN Finger weg.
Was du danach noch prüfen solltest, Serviceheft, HU-Berichte und Vorbesitzer, zeigt der Ratgeber Fahrzeughistorie prüfen.
Häufige Fragen
Kann ich mit der FIN kostenlos den Halter herausfinden?+
Nein. Halterdaten gibt das Kraftfahrt-Bundesamt nach § 39 StVG nur heraus, wenn du darlegst, dass du sie für Rechtsansprüche im Zusammenhang mit dem Straßenverkehr brauchst, etwa nach einem Unfall. Die Auskunft ist gebührenpflichtig und läuft schriftlich.
Ist es riskant, die FIN an Fremde weiterzugeben?+
Die FIN allein verrät keine persönlichen Daten über den Halter. Sie kann aber von Betrügern genutzt werden, um Papiere oder Inserate für ein anderes Fahrzeug glaubwürdiger wirken zu lassen. Gib sie deshalb nur weiter, wenn du einen konkreten Grund hast, zum Beispiel einen ernsthaften Kaufinteressenten.
Warum zeigt der VIN-Decoder ein anderes Baujahr als der Fahrzeugschein?+
Die zehnte Stelle der FIN steht für das Modelljahr, nicht für das Baujahr oder die Erstzulassung. Je nach Hersteller beginnt ein Modelljahr schon im Frühjahr oder Sommer des Vorjahres, deshalb sind Abweichungen von einem Jahr normal.
Was bedeutet es, wenn die FIN am Auto nicht mit den Papieren übereinstimmt?+
Dann kaufst du das Auto nicht. Eine abweichende, beschädigte oder überklebte FIN kann auf Diebstahl oder einen Umbau aus mehreren Fahrzeugen hindeuten. Bei konkretem Verdacht informierst du die Polizei.
Gibt es eine offizielle VIN-Abfrage für Autos aus den USA?+
Ja. Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA betreibt einen öffentlichen VIN-Decoder, der die vom Hersteller gemeldeten Fahrzeugdaten für Modelljahre ab 1981 entschlüsselt. Auf der NHTSA-Seite kannst du außerdem nach offenen US-Rückrufen suchen.
Quellen
- ADAC – FIN: So entschlüsseln Sie die Fahrzeugidentifikationsnummer
- § 59 StVZO – Fabrikschilder, Fahrzeug-Identifizierungsnummer
- KBA – Pressemitteilung Nr. 28/2026: eCoC auf Abruf
- KBA – Auskunft aus dem Zentralen Fahrzeugregister
- KBA – Rückrufdatenbank
- ADAC – Das Alter des Autos prüfen
- NHTSA – VIN Decoder (vPIC)