kalode.de
Mechaniker begutachtet einen Gebrauchtwagen vor dem Kauf

Ratgeber · 7 Min. Lesezeit

Gebrauchtwagen-Checkliste: Worauf du beim Kauf achten musst

Vom ersten Anruf bis zur Probefahrt: Mit dieser Checkliste prüfst du einen Gebrauchtwagen Schritt für Schritt und erkennst, wann du besser einen Profi dazuholst.

Aktualisiert: 24. Oktober 2026

Beim Gebrauchtwagenkauf solltest du vier Dinge prüfen: die Vorgeschichte des Autos (Papiere, Serviceheft, HU-Berichte), den Zustand von Karosserie, Unterboden und Motorraum, das Fahrverhalten bei einer ausführlichen Probefahrt und die Person des Verkäufers. Die folgende Checkliste führt dich in dieser Reihenfolge durch die Besichtigung. Findest du mehrere Auffälligkeiten oder bist du unsicher, lass das Auto vor der Unterschrift von einer unabhängigen Prüfstelle checken.

Vor der Besichtigung: Inserat, Verkäufer, Historie

Die Prüfung beginnt nicht erst am Auto, sondern schon beim Inserat und beim ersten Telefonat.

  • Inserat sichern. Mach Screenshots von Text und Fotos, vor allem von Kilometerstand und Ausstattung. Nach dem Verkauf verschwinden Anzeigen, und sie sind oft der beste Beleg dafür, was versprochen wurde.
  • Preis vergleichen. Liegt das Angebot deutlich unter vergleichbaren Autos mit ähnlicher Laufleistung und Ausstattung, frag nach dem Grund. Extreme Schnäppchen sind ein klassischer Köder für Betrüger.
  • Verkäufer einschätzen. Fragt dich jemand am Telefon „Um welches Auto geht es?“, hast du es laut ADAC-Checkliste sehr wahrscheinlich mit einem Händler zu tun, der sich als Privatperson ausgibt. Für dich als Verbraucher ist das wichtig: Beim Händler hast du Mängelrechte, die er nicht vollständig ausschließen darf (§ 476 BGB).
  • Fahrgestellnummer (FIN) erfragen. Mit der 17-stelligen FIN kannst du die Historie vorab prüfen. Ein seriöser Verkäufer nennt sie dir.
  • Modell-Schwachstellen kennen. Schau vorher, welche Mängel beim Modell typisch sind. Im Zuverlässigkeitsranking siehst du anhand von Hauptuntersuchungsdaten aus mehreren Ländern, wo ein Modell häufig durchfällt – zum Beispiel beim VW Golf oder Skoda Octavia.

Fahrzeughistorie prüfen

Kostenlos bekommst du viel über die Papiere: Berichte früherer Hauptuntersuchungen enthalten den Kilometerstand und festgestellte Mängel, Serviceheft und Rechnungen zeigen Wartung und Reparaturen. Eine Markenwerkstatt kann dir mit Zustimmung des Halters oft die Servicehistorie aus dem Herstellersystem nennen.

Ergänzend lohnt sich bei Importen oder lückenhaften Unterlagen ein Fahrzeugbericht. carVertical wertet anhand der FIN unter anderem Kilometerstände aus Datenbanken mehrerer Länder, gemeldete Schäden, Diebstahl-Datenbanken und Fotos aus früheren Inseraten aus. Mit dem Code KALODE kostet ein Bericht 31,19 € statt 38,99 € (Details zum Rabattcode). Ehrlich gesagt: Kein Bericht findet alles. Für Autos, die nur in Deutschland gelaufen sind, sind Kilometerstände oft lückenhaft, weil es hier keine öffentliche Kilometerdatenbank gibt. Der Bericht ersetzt also weder die Besichtigung noch den Gutachter.

Checkliste Papiere

Lass dir alle Dokumente im Original zeigen – Kopien reichen nicht.

  • Zulassungsbescheinigung Teil I und Teil II (früher Fahrzeugschein und -brief) vorhanden?
  • Name in Teil II = Verkäufer? Wenn nicht, frag nach einer schriftlichen Vollmacht und dem Ausweis des Bevollmächtigten.
  • FIN abgleichen: Die Nummer in den Papieren muss mit der am Auto übereinstimmen – meist sichtbar unter der Windschutzscheibe und zusätzlich auf dem Typschild oder im Motorraum eingeschlagen.
  • Bericht der letzten Hauptuntersuchung: Prüfer vergeben die Plakette manchmal mit der Auflage, kleinere Mängel noch zu beheben. Hinweise wie „beginnende Korrosion am Unterboden“ sind aufschlussreich.
  • Nächste HU bald fällig? Wer verkaufen will und nichts zu verbergen hat, zieht die Prüfung oft vor.
  • Serviceheft und Rechnungen: lückenlos, mit plausiblen Kilometerständen? Ein Ölwechsel-Anhänger im Motorraum muss zum Tachostand passen.
  • Umbauten: Für Tieferlegung, andere Felgen oder Chiptuning brauchst du Eintragung, ABE oder Teilegutachten, sonst kann die Betriebserlaubnis erlöschen.
  • Import: Bei Reimporten nach der CoC-Bescheinigung (EU-Übereinstimmungserklärung) fragen.

Wie du Laufleistung und Unfallvergangenheit im Detail prüfst, erklären die Ratgeber Tachomanipulation erkennen und Unfallwagen erkennen.

Checkliste Rundgang ums Auto

Besichtige nur bei Tageslicht und trockenem Wetter. Regen und Dämmerung verdecken Lackschäden und Dellen. Nimm eine zweite Person, eine Taschenlampe und eine Unterlage zum Hinknien mit.

  • Karosserie im Streiflicht: Schau entlang der Flanken und Hauben. Wellen, Farbunterschiede oder matte Stellen deuten auf Nachlackierung hin.
  • Spaltmaße: Ungleichmäßige Fugen an Türen und Hauben können ein Hinweis auf einen Unfallschaden sein.
  • Lacknebel: Farbspuren auf Gummidichtungen, Kunststoffteilen oder Reifen zeigen, dass lackiert wurde.
  • Rost: Kleine Bläschen im Lack sind kein Schönheitsfehler, sondern meist schon Durchrostung. Kontrolliere Radläufe, Schweller und die Unterkanten von Türen und Heckklappe.
  • Frischer Unterbodenschutz an Schwellern oder in Radkästen kann Rost oder Reparaturen verdecken.
  • Reifen: Profiltiefe, gleichmäßiger Abrieb (einseitiger Verschleiß deutet auf Probleme mit der Fahrwerksgeometrie hin), Alter über die DOT-Nummer.
  • Felgen: Bordsteinschäden und verbogene Ränder können auf Folgeschäden an Lenkung oder Radaufhängung hindeuten.
  • Scheiben und Leuchten: Steinschläge, Risse, beschlagene Scheinwerfer.
  • Bremsscheiben, soweit durch die Felge sichtbar: tiefe Riefen oder starker Rost.
  • Unter dem Auto: Öltropfen an Motor und Getriebe oder auf dem Boden, Schweißspuren, beschädigte Gummimanschetten an Antriebswellen und Lenkung.

Checkliste Motorraum und Innenraum

Motorraum

  • Alles glänzt wie neu? Eine frische Motorwäsche sieht gut aus, kann aber Undichtigkeiten verbergen.
  • Ölstand am Peilstab zwischen Minimum und Maximum? Frag nach dem Ölverbrauch und dem letzten Ölwechsel.
  • Kühlmittel: Trübe Flüssigkeit oder ein Ölfilm darin können laut ADAC auf eine defekte Zylinderkopfdichtung hindeuten.
  • Bremsflüssigkeit auf korrektem Stand?
  • Batteriepole stark oxidiert?
  • Kaltstart: Bestehe darauf, dass der Motor vor deiner Ankunft nicht gelaufen ist. Fühl an der Motorhaube. Ein kalter Motor zeigt Startprobleme und Geräusche, die warm verschwinden.

Innenraum

  • Abnutzung passend zum Kilometerstand? Lenkrad, Schaltknauf, Pedale und Fahrersitz verraten viel. Ein durchgesessener Fahrersitz bei angeblich weniger als 100.000 km ist ein Warnsignal.
  • Muffiger Geruch, feuchte Teppiche oder Wasser unter der Kofferraummatte deuten auf Undichtigkeiten hin – im Extremfall auf einen Wasserschaden.
  • Gurte rollen sauber auf und sind nicht ausgefranst?
  • Elektrik: Fensterheber, Spiegel, Klimaanlage, Sitzheizung, Radio, Navigation, Beleuchtung.
  • Kontrollleuchten: Beim Einschalten der Zündung müssen alle kurz aufleuchten und nach dem Start erlöschen. Leuchtet eine gar nicht, kann sie absichtlich deaktiviert worden sein.

Probefahrt: So testest du richtig

Ohne Probefahrt solltest du kein Auto kaufen. Kläre vorher, wer bei einem Schaden haftet, und halte das schriftlich fest – der ADAC bietet dafür eine Mustervereinbarung an. Plane mindestens eine Strecke mit Stadtverkehr, Landstraße und möglichst Autobahn ein.

  1. Starten und Leerlauf: Springt der Motor sofort an, läuft er rund, gibt es Rauch aus dem Auspuff?
  2. Kupplung und Getriebe: Gänge lassen sich leicht und geräuschlos einlegen, die Kupplung greift nicht erst ganz oben. Bei Automatik: ruckfreie Gangwechsel.
  3. Lenkung: Im Schritttempo voll einschlagen. Knacken deutet auf Antriebswellen oder Radlager hin.
  4. Geradeauslauf: Auf ebener Strecke darf das Auto nicht ziehen, das Lenkrad nicht vibrieren (oft erst ab etwa 80 km/h spürbar).
  5. Bremsen: Auf einer freien Strecke aus höherem Tempo dosiert stärker bremsen. Das Auto muss in der Spur bleiben, ohne Schleifgeräusche.
  6. Fahrwerk: Auf unebener Fahrbahn springen die Räder nicht, das Auto versetzt in Kurven nicht.
  7. Geräusche: Fahr eine Strecke mit offenem Fenster und ohne Radio.
  8. Nach der Fahrt: Noch einmal unters Auto schauen, ob etwas tropft. Leuchtet die Motorkontrollleuchte, lass den Fehlerspeicher per OBD2 auslesen, bevor du weiterverhandelst.

Bei Elektroautos gehört eine längere Probefahrt dazu, auf der du die gefahrenen Kilometer mit dem Rückgang der Reichweitenanzeige vergleichst.

Gebrauchtwagen-Check bei TÜV, DEKRA, ADAC und Co.

Die beste Checkliste ersetzt keine Hebebühne. Viele Mängel – Korrosion am Unterboden, Undichtigkeiten, Achsprobleme – sieht ein Laie auf dem Parkplatz schlicht nicht. Einen Gebrauchtwagen-Check bieten unter anderem TÜV, DEKRA, GTÜ, KÜS und der ADAC an, außerdem freie Kfz-Sachverständige. Preise und Umfang unterscheiden sich je nach Anbieter und Fahrzeug, frag deshalb vorher nach, was genau geprüft wird.

Sinnvoll ist ein Check besonders, wenn:

  • du mehrere Auffälligkeiten aus dieser Checkliste gefunden hast,
  • Papiere oder Serviceheft lückenhaft sind,
  • es sich um einen Import handelt oder die Historie unklar ist,
  • der Kaufpreis hoch ist.

Verweigert ein Verkäufer eine Untersuchung grundsätzlich, solltest du vom Kauf eher Abstand nehmen.

Vereinbare den Termin bei der Prüfstelle gleich mit dem Verkäufer und fahrt gemeinsam hin. So siehst du das Auto auf der Hebebühne, und mündliche Aussagen des Verkäufers lassen sich direkt mit dem Befund abgleichen.

Nach dem Check: Vertrag, Zahlung, Übergabe

Wenn das Auto die Prüfung besteht, kommt der Papierkram. Halte alles, was dir zugesagt wurde – Kilometerstand, Unfallfreiheit, Zahl der Vorbesitzer, Zubehör –, schriftlich im Vertrag fest. Mündliche Aussagen wie „unfallfrei“ oder „Austauschmotor“ sind im Streitfall wenig wert. Was in den Vertrag gehört, steht im Ratgeber Kaufvertrag Auto privat.

Lass dich außerdem nicht unter Zeitdruck setzen. „Sie müssen sich heute entscheiden“ ist laut ADAC ein typischer Verkäufertrick. Lieber eine Nacht darüber schlafen und riskieren, dass das Auto weg ist.

Zahle erst bei Übergabe und nur, wenn du Auto, alle Schlüssel und beide Zulassungsbescheinigungen in der Hand hast. Was beim Kauf von einer Privatperson rechtlich gilt und wie Bezahlung und Ummeldung sicher ablaufen, erklärt der Ratgeber Gebrauchtwagen von privat kaufen.

Häufige Fragen

Wie viele Vorbesitzer sind bei einem Gebrauchtwagen noch in Ordnung?+

Eine feste Grenze gibt es nicht. Der ADAC nennt als groben Anhaltspunkt: Mehr als zwei Halter bei einem bis zu fünf Jahre alten Auto oder mehr als drei bei einem bis zu sieben Jahre alten Auto sind auffällig und sollten erklärt werden.

Welche Profiltiefe sollten die Reifen eines Gebrauchtwagens haben?+

Gesetzlich vorgeschrieben sind mindestens 1,6 mm. Der ADAC rät, bei weniger als 2,5 mm Profil oder ungleichmäßig abgefahrenen Reifen neue Reifen in den Preis einzukalkulieren.

Muss ein Verkäufer einen Gebrauchtwagen-Check bei TÜV oder DEKRA erlauben?+

Eine Pflicht dazu gibt es nicht. Wenn ein Verkäufer eine Untersuchung durch eine unabhängige Prüfstelle aber grundsätzlich ablehnt, ist das ein deutliches Warnsignal – wer nichts zu verbergen hat, lässt prüfen.

Wer haftet, wenn bei der Probefahrt ein Unfall passiert?+

Das hängt von der Versicherung des Autos und davon ab, was ihr vereinbart. Kläre das vor der Fahrt schriftlich, zum Beispiel mit der Mustervereinbarung für Probefahrten des ADAC.

Wie erkenne ich einen getarnten Händler, der sich als Privatverkäufer ausgibt?+

Typische Hinweise: Am Telefon wird gefragt, um welches Auto es geht, der Verkäufer steht nicht in der Zulassungsbescheinigung Teil II oder er verkauft angeblich für einen Verwandten. Bei einem Händler hättest du als Verbraucher Mängelrechte, die er so umgehen will.

Quellen